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SIEH, DAS GUTE LIEGT SO NAH! –
Neue Wege zur Qualifizierung der Kulturlandschaft der Vier- und Marschlande

Die Vier- und Marschlande befinden sich im Südosten der Stadt Hamburg und sind ein rund 14.000 ha umfassendes, landwirtschaftlich und gartenbaulich geprägtes Gebiet. Mit ihrer ca. 800-jährigen Geschichte gehören sie zu den ältesten erhaltenen Kulturlandschaften Deutschlands. Diese Kulturlandschaft befindet sich in einem Transformationsprozess, der immer stärker Fahrt aufnimmt. Dabei werden unterschiedlichste städtische Ansprüche an die Landschaft gestellt, ob als Flächenpool für Ausgleichsmaßnahmen, Bauland oder als Erholungsgebiet.
Die Ergebnisse unseres Recherche- und Kartierungsseminars – QUO VADIS VIER-UND MARSCHLANDE – im vergangenen Wintersemester zeigen, dass die letzten 50 Jahre die größten Veränderungen mit sich brachten. Die Kulturlandschaft wird nicht mehr durch die Bewohner und ihre jeweilige Bewirtschaftungsformen geprägt, sondern vor allem durch externe Nutzungen, die nicht in Beziehung mit der Landschaft stehen. Ein Verständnis für die Wertigkeit der Kulturlandschaft lässt sich so immer schwieriger vermitteln. Noch kann das stark gestalt- und funktionsprägende „Landschaftsbauwerk“, bestehend aus Grabenstruktur und Deichlinien, aufrechterhalten werden, obwohl bereits vielerorts ein Patchwork unterschiedlichster Nutzungen entstanden ist. Jetzt braucht es Konzepte, die den Zugang, die Produktivität, den Wert und die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft kommunizieren und nachhaltig stärken und entwickeln, sonst droht Zerfall einer einzigartigen Landschaft. Die Zukunft der Kulturlandschaft der Vier- und Marschlande liegt in ihrer Inwertsetzung.

Im Rahmen unseres interdisziplinären Entwurfs wollen wir uns mit der kulturlandschaftlichen Eigenart auseinandersetzen und uns die Frage stellen, inwiefern es anhand verschiedener landschaftsarchitektonischer Interventionen entwurfliche Potentiale gibt, die Besonderheiten der Landschaft neu zu formulieren, um ein System aus Kraftfeldern besonderer Orte zu schaffen.

Der Entwurf gliedert sich in zwei Phasen. In der ersten Phase werden die kulturlandschaftlichen Besonderheiten der Vier- und Marschlande umfassend analysiert und reflektiert. Parallel dazu werden konzeptionelle Sichtweisen und Referenzprojekte zum besonderen Verständnis von Architektur und Landschaft untersucht. Unterstützt durch digitale Methoden, vor Ort Erkundungen und im Austausch mit verschiedenen Gästen sowie Akteuren aus den Vier-und Marschlanden werden die räumlichen Potentiale und Herausforderungen sowie besondere Orte der Kulturlandschaft identifiziert und dargestellt.
In der zweiten Phase wird auf der Basis der gemeinsamen Raumanalyse durch interdisziplinäre Teams jeweils ein Entwurf für unterschiedliche Interventionen an verschiedenen Standorten in der Kulturlandschaft entwickelt. Dabei sollen die der Landschaft innewohnenden Besonderheiten und räumlichen Qualitäten sichtbar gemacht werden. Als gemeinsames Endprodukt wird eine alternative Kulturlandschaftsroute durch die Vier- und Marschlande entwickelt, welche die verschiedenen Interventionen miteinander verbindet und die Aufmerksamkeit auf das Wesen und die Bedeutung der Kulturlandschaft lenkt. Besucher und Bewohner der Vier- und Marschlande sollen auf diese Weise für die besonderen Potenziale ihrer Kulturlandschaft sensibilisiert werden.