KULTURLANDSCHAFTSROUTE – Die Naturraumhöhle der Reit

Von Alina Schanz und Lucas Engel

Ein versteckter Pfad durch das Herzstück der Reit.

Die Wege zur Naturraumhöhle der Reit führen vorbei an kleineren, eng an den Straßen anliegenden Siedlungen und den offenen Weiten der umliegenden Felder. Angekommen auf der südlichen Seite der Dove-Elbe befindet sich die Reit, eines von mehreren Naturschutzgebieten der Vier- und Marschlande. Direkt fallen besondere Artefakte wie der holzige, morsch aussehende Aussichtsturm an der Regattastrecke oder das altmodische gelbe Windrad auf. Dazwischen liegen geschützte Grünflächen mit einigen Wasserbecken, an denen sich Störche, Lerchen und Bachstelzen tummeln. Wesentlich weniger offensichtlich hingegen ist eine vom Reitdeich ausgehende kleine und vor allem unscheinbare Abzweigung. Wohin ihr Weg führt ist nicht zu erkennen, da dieser bereits nach wenigen Metern von der Natur eingerahmt wird und es so scheint, als läge eine naturgemachte Höhle vor Einem.

Beim ersten Erkunden dieses Höhlenweges fällt schnell auf, dass es sich keineswegs um einen stetig engen und dunklen Naturraum handelt – im Gegenteil. Die Route ist geprägt durch ihre Gegensätze und dem Spiel zwischen Enge und Weite sowie Licht und Schatten. Auf ihrer geringen Länge von 1.200 Metern, die am besten zu Fuß zu erkunden sind, formt die umliegende Natur eine Vielzahl von individuellen Situationen und einzigartigen Atmosphären. Ein einziges Hindurchlaufen reicht nicht annähernd aus, um die Vielschichtigkeit dieser Route zu entdecken. Selbst nach mehreren Erkundungen, besonders auch zu verschiedenen Jahreszeiten, zeigt die Naturraumhöhle den Besuchenden stets neue Facetten auf.

Entlang der Route finden sich immer wieder besondere Situationen, die oftmals mehr sind als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Um ihre Geheimnisse zu erfahren, sind intensive Recherchen notwendig. So finden sich zum Beispiel alte Mauerüberreste, bestehend aus roten Ziegelsteinen, die einst zu einer Ziegelei auf dem Gebiet der Reit gehörten. Oder ein metallener Kasten, der in einem starken Kontrast zur umliegenden Natürlichkeit steht. Dieser dient der Regulierung des Wasserspiegels der Umgebung. Und in einem Feld aus Schilf sind in den kalten Monaten des Jahres nur metallene Stäbe zu erkennen, die in den wärmeren Monaten mit Netzen bespannt werden, in der Hoffnung Vögel würden hineinfliegen. Diese werden anschließend in einer nahegelegenen kleinen Forschungsstation analysiert, beringt und anschließend wieder frei gelassen.

Die Route der Naturraumhöhle der Reit ist demnach ein sensibler und dynamischer Weg, der durch die umliegende Natur vielfältig geprägt wird. Begleitet wird die Route durch verschiedene besondere Stationen. Diese zu erleben, bedarf Aufmerksamkeit, da sie oftmals leicht zu übersehen sind. Um diese Potentiale der Route zu stärken sowie die Naturraumhöhle zu schützen, haben wir ein Konzept, bestehend aus speziellen Steg- und Stabkonstruktionen, entwickelt. Das Konzept wird im Folgenden genauer erläutert.

ABGEHOBEN // STEGKONSTRUKTION

Holzsteg


Um die Naturraumhöhle der Reit zu schützen, wird über den hauptsachlich aus Sand, Erde und Kies bestehenden Weg ein Holzsteg gesetzt. Der Holzsteg stellt dabei lediglich einen minimalen Grad an Versiegelung dar und ist demnach im Sinne des Naturschutzes. Durch diesen wird zum einen die Barriere des unebenen Bodens ausgeglichen und zum anderen stärker gewährleistet, dass die Erkundenden auf der Route bleiben und nicht in die sensible Natur ausbrechen.

Sichere Unterquerung

Darüber hinaus wird der Fauna, besonders den Weichtieren und Gliederfüßern, die oft auf solchen Wegen übersehen und zertreten werden, eine sichere Überquerung des Weges geboten.

Enge und Breite

Eine weitere Stärke des Holzstegs ist es, dass dieser individuell der Umgebung angepasst werden kann und dadurch die Eigenart dieser unterstützt. Durch die Wahl der Gesamt- sowie der Lattenbreite kann beispielsweise auf die Enge und Weite der Umgebung reagiert werden. Ist diese weit und ausladend, so ist es der Steg ebenfalls.

Aussparung

Um die Besonderheiten der Bodenstrukturen nicht gänzlich zu verdecken sind gezielte Aussparungen vorgesehen. Durch diese können die im Boden liegenden Ziegelreste und Wurzelstränge betont und der Natur der Raum zur Entfaltung gelassen werden.

Ausbruch

An wenigen besonderen Stellen, wie der Station „Aufbruch ins Schilf“, werden den Besuchenden vorsichtige Ausbrüche in die Natur gestattet. Diese finden auf wesentlich schmaleren Holzstegen statt, die lediglich einige Meter in den angrenzenden Naturraum hineinreichen

EINGERAHMT // STABKONSTRUKTION

Formsprache

Um eine Wahrnehmungsleitung durch die Naturraumhöhle zu schaffen sowie ihre Eigenart zu verstärken, wurde ein Stabkonzept entwickelt, welches sich am Weg entlang zieht. Die Formsprache der Stabkonstruktionen leitet sich aus einem dominanten Part der vorherrschenden Natur ab – den Bäumen.

Variation

Ein großer Vorteil dieses Konzeptes stellt die vielfältige Variationsmöglichkeit dar, welche individuell auf die Umgebung eingeht und sich dieser anpassen kann. Ist die Natur entlang des Weges beispielsweise sehr eng und darüber geschlossen, so sind es die Stäbe ebenso. Ist die Umgebung hingegen offen, so öffnen sie sich wiederum. Zusätzlich können wahrnehmungslenkende kleinere Akzente gesetzt werden.

Ein- und Ausleiten

Darüber hinaus werden die einzelnen Stationen der Route ein- und ausgeleitet. Die Besuchenden werden somit darauf hingewiesen, dass sie in eine besondere Situation gelangen. Dadurch wird dem Umstand entgegengewirkt, dass einige der Stationen beim Durchschreiten der Naturraumhöhle leicht übersehen werden.

Wegbegleiter

Da sich die Route als eine Einheit versteht, werden die Stabkonstruktionen ebenso zwischen den Stationen eine unterstützende Funktion erfüllen. Dazu werden sie in wesentlich größeren Abständen den Weg begleiten.

Mitwachsen

Direkt angrenzend an den Weg durch die Naturraumhöhle schlängeln sich bereits etliche Hopfen- sowie Brombeerranken die umliegenden Bäume hinauf. Diese werden mit der Zeit auch die Stabkonstruktionen als Klettermöglichkeit nutzen. Dadurch – und durch die Jahreszeiten bedingten Variationen – wird die Natur mit den Stabkonstruktionen mitwachsen und sich diese zu eigen machen.

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