EIGENARTIGE ORTE – Fenster, Balkone und Terrassen im Marschbahndamm

Von Anne Pleuser und Leon Thümer

Austritte in die Weite – erlebbar an besonderen Orten und Öffnungen des Vier- und Marschländer Bahndamms.

Mit dem Rad geht es vom stark befahrenen Kirchwerder Landweg in den Vier- und Marschländer Bahndamm, der zu beiden Seiten von geschlossener Baumstruktur gesäumt ist. Sein asphaltierter, in weiten Teilen geradliniger Verlauf sowie seine kühle Atmosphäre laden dazu ein, schnell zu fahren und verhindern somit ein Innehalten und Wahrnehmen besonderer Orte. Die Erkundung dieser Orte wird dem Entdecker erst möglich, wenn er sein Tempo drosselt, sich Zeit für den Weg nimmt und sein Blick wachsam ist. Erst dann nimmt er die verschiedenen Öffnungen in der geschlossenen Baumstruktur wahr, die in Form von Fenstern, Balkonen und Terrassen unterschiedliche Blicke in die Weite der Landschaft zulassen. Eine Erkundung dieser Ort schafft neue Atmosphären und Augenblicke des Durchatmens und Verweilens.

Definition Balkon

Ein Balkon ermöglicht das Heraustreten aus der geschlossenen Struktur des Marschbahndamms in die Weite der Landschaft. Allerdings verbleibt der Beobachter auf der Höhe des Marschbahndamms und kann nicht in die vor ihm liegende landschaftlichen Weite hinuntertreten. Aufgrund der erhöhten Position kann er mit seinem Blick jedoch die gesamte Landschaft erfassen und einen Blick zurück auf den Marschbahndamm werfen.

Definition Fenster

Ein Fenster erlaubt lediglich einen Ausblick aus der sonst geschlossenen Struktur des Marschbahndamms. Dem Beobachter ist es hier nicht möglich, aus diesem herauszutreten und sich auf die Ebene der vor ihm liegenden landschaftlichen Weite hinunterzubegeben. Sein Blick wird somit von der geschlossenen Baumstruktur des Marschbahndamms zur rechten sowie zur linken Seite begrenzt.

Definition Terrasse

Eine Terrasse ermöglicht das Heraustreten aus der geschlossenen Struktur des Marschbahndamms sowie das Hinuntertreten auf die Ebene der vor ihm liegenden landschaftlichen Weite. Aufgrund dieser Position des Beobachters kann sein Blick die landschaftliche Weite erfassen. Je nachdem, wie weit die Terrasse in die Weite führt, ist es ihm auch hier möglich, einen Blick zurück auf den Marschbahndamm zu werfen.

1 Am Kornfeld | Terrasse 

Nachdem der Marschdamm aus dem ersten Wäldchen heraus und in Richtung Nordwesten nach Fünfhausen weiterführt, erscheint auf der linken Seite, in Form einer Öffnung in dem sonst dicht bewachsenen Marschdamm, der erste Ort. Durch die Öffnung führt ein Weg aus der Geschlossenheit des Damms mit einer leichten Senkung in die Weite der Landschaft bis zu einem Kornfeld, das sich flurartig und wie ein weiches, gleichmäßiges Polster bis an den Horizont erstreckt. Der Ort wirkt wie eine Terrasse, da der Entdecker hier auf Feldebene steht. Der Blick reicht weit in die Ferne und wird lediglich am Horizont von Baumreihen sowie von Gewächshäusern gebrochen, deren Dächer in der heißen Sonne schimmern.

2 Kultivierter Acker | Terrasse 

Der zweite Ort befindet sich nur etwas weiter auf der linken Seite des Marschdamms. Durch eine breite Öffnung führt ein mit Gras bewachsener Pfad aus dem Marschdamm heraus bis auf die Feldebene. Auch er bildet eine Terrasse. Im Blickfeld ein Acker, dessen einzelne, feine und gleichmäßige Saatlinien den Blick bis zum Horizont lenken, wo dieser von Bäumen und vereinzelt auch von Gewächshäusern gebrochen wird. Trotz der Lage nah am Feld ist ein wirkliches Heraustreten aus der Baumstruktur nicht möglich.

3 Idyllisches Landschaftsbild | Terrasse 

Dieser Ort ist in seiner Nutzung weniger vom Menschen, sondern vielmehr von naturbelassener Landschaft geprägt. Eine Öffnung auf der rechten Seite des Marschdamms erlaubt auch hier ein Heraustreten aus diesem in die Weite der Wiesenlandschaft. Der Beobachter befindet sich unmittelbar in der Wiese, ebenfalls auf Terrassenebene. Die Landschaft – idyllisch. In einem Meer aus Gräsern, das an einigen Stellen in der Sonne lila schimmert, sind die klaren Feldstrukturen zu erkennen. Der Horizont ist von Bäumen gesäumt und bildet so eine natürliche Begrenzung der landschaftlichen Weite. Durch das Heraustreten aus der geschlossenen Struktur des Marschdamms ist auf der linken Seite der Marschdamm mit seiner Krümmung zu erkennen. 

4 Weite Flur | Terrasse

Durch eine Öffnung in der sonst dichten Struktur des Marschdamms ist es auch hier möglich, in die Weite der Landschaft einzutauchen. Der Beobachter sieht sich auch hier einer Wiesenlandschaft gegenüber, die sich bis zum Horizont erstreckt und in ganz unterschiedliche Grüntöne getaucht ist. Auch hier befindet sich der Entdecker auf Terrassenebene. Das besondere hier: Das Heraustreten aus dem Marschdamm erlaubt einen Blick auf den Marschdamm selbst und seinen Verlauf durch die Weite der Landschaft zu beiden Seiten. 

5 Strukturwechsel | Terrasse

Wenige Meter weiter eröffnet sich der nächste Ausblick rechterhand, der einen weiten Blick ermöglicht. Am Horizont machen zwischen der Baumstruktur vereinzelte Windräder auf sich aufmerksam, während die Felder und Wiesen ansonsten naturbelassen wirken. Spannend erscheint hier der plötzliche Strukturwechsel der Felder, die im hinteren Blickfeld abzuknicken scheinen und so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Im Feld stehend, gleicht auch dieser Ort einer Terrasse

6 Blicklenkung | Fenster

Ein Heraustreten aus dem Marschdamm ist an diesem Ort nicht möglich, da die Öffnung von hohem Gras bewachsen ist. Der Blick des Beobachters wird dementsprechend links sowie rechts von den Bäumen des Marschdamms begrenzt. Der Ort gibt den Blick auf die Wiesenlandschaft frei, deren klare Felderstruktur nun schräg zum Marschdamm verläuft. Die klaren Linien der Feldstruktur laufen in der Ferne links zusammen und lenken somit den Blick des Beobachters zum Horizont. Aufgrund der schrägen Feldstruktur wirkt der Blick allerdings unruhig. Da ein Austreten aus dem Marschbahndamm hier nicht möglich ist, ist der Blick des Entdeckers wie bei einem Fenster seitlich begrenzt. 

7 Strukturlose Weite | Fenster

Das erste Mal überrascht der Marschdamm mit einer Sitzbank, die zu Rast und Ausblicksgenuss einladen soll. Auf der Bank bleibt der Blick des Beobachters allerdings zur rechten sowie zur linken Seite begrenzt. Der gute Überblick, der sich durch den erhöhten Sitz ergibt, ermöglicht das Erfassen der diversen Schattierungen, Farbspiele und Strukturen. Eine Unruhe, die auf den Betrachter aus dem in sich geschlossenen Marschbahndamm abstrakt und unwirklich wirkt. An diesem Ort bleibt der Wunsch, in die Weite hinaus zu treten allerdings unerfüllt und es kann nur mit Abstand und eingeschränktem Blickradius genossen werden. Der Blick ist auch hier, wie der durch ein Fenster, zu beiden Seiten begrenzt. 

8 Ausflug in die Weite | Terrasse

Dieser Ort ist besonders, da er der Einzige ist, der einen weiten Austritt aus der geschlossenen Struktur des Bahndamms in die Weite und in die Feldstruktur der Landschaft zulässt. Eine breite Öffnung, die leicht bergab führt, erlaubt das Hinaustreten über einen gemähten Weg weit in die Feldstruktur. An diesem Ort wird deutlich, dass die vermeintliche Weite durch viele Barrieren, Büsche und hohe Gräser gebrochen wird. Das Erleben dieser Struktur wird dadurch deutlich, dass sich der Entdecker hier auf Terrassenebene befindet. 

9 Versunken in der Weite

Der Zugang zu diesem Ort erfolgt über die Öffnung im Marschdamm des vorherigen Ortes. Ein Weg führt hinaus und lässt den Beobachter in die Feldstruktur eintauchen. Jeder Schritt bewirkt ein tieferes Versinken in der Weite. Erfolgt der Blick zurück, ist der Marschdamm zu sehen, der sich als geschlossene Sichtbarriere durch die Landschaft zieht. Versunken im Gras der Feldstruktur ist ein Blick über die Weite dennoch möglich. Die schützende Funktion der Bäume ist hier nicht mehr gegeben, und die Sonne strahlt unerbittlich auf den Beobachter. An diesem Ort wird der Kontrast zwischen der Weite der Landschaft und der Geschlossenheit des Marschbahndamms besonders deutlich. 

10 Brücke ins Nichts | Balkon

Nach all diesen besonderen Ausblicken wartet ein letzter Ort auf seine Entdeckung. Es handelt sich hierbei um eine landwirtschaftliche Betonbrücke, die den Entdecker in die Weite zu führen scheint. Durch die erhöhte Position oberhalb der Felder wirkt diese Plattform wie ein Balkon. Unterhalb erstrecken sich die Wiesen und entlang des Marschdamms schlängelt sich ein Entwässerungsgraben. Bei schweifendem Blick lässt sich von hier auch die Krümmung des Damms erkennen, die von innen kaum merklich ist.

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